OpenClaw im Selbstversuch: 100 EUR verbrannt, ein Wochenende weg
OpenClaw, auch bekannt als ClawBot, verspricht autonome KI-Agenten, die Jobs übernehmen, Geld verdienen und komplexe Aufgaben alleine erledigen. Ich habe den Selbstversuch gemacht: ein Wochenende Zeit, gut 100 EUR in API-Token – und ziehe hier ungeschminkt Bilanz.
Ich teste möglichst alles Neue im KI-Bereich selbst. Mit fortgeschrittenem Lebensalter ist Zeit meine wertvollste Ressource. OpenClaw ist definitiv eine interessante Entwicklung – und genau deshalb wollte ich genauer hinschauen. Nicht mit einem schnellen Blick, sondern mit einem echten Praxistest.
Das Setup: 2,5 Stunden und 15 EUR – nur für die Installation
Zuerst einen alten Laptop neu aufgesetzt, OpenClaw installiert, Claude Opus 4.5 als Modell gewählt, Telegram verbunden und dem Bot Zugriff auf meinen Browser gegeben. Klingt nach einer Stunde Arbeit. War es nicht.
Allein das Setup kostete ca. 2,5 Stunden und 15 EUR in Token. Noch bevor der eigentliche Test begann.
Das ist kein Vorwurf an die Entwickler – Open-Source-Projekte in diesem Stadium sind selten plug-and-play. Aber wer OpenClaw kauft wegen der Versprechen auf X oder YouTube, sollte diese Hürde einkalkulieren.
Erster Test: LinkedIn-Profil analysieren lassen
Erster echter Prompt: „Nutz mein LinkedIn-Profil als Startpunkt und erstelle ein Profil von mir, wie ein Business-Coach es tun würde."
Der Bot rödelt eine Stunde. Ergebnis: etwa eine A4-Seite, die sich liest wie ChatGPT mit mittelmäßigem Prompt. Kein strukturierter Ansatz, keine tiefere Analyse, keine überraschenden Erkenntnisse.
Kosten bis dahin: ca. 4,5 Stunden, 25 EUR.
Zweiter Versuch: LinkedIn-Strategie entwickeln
Vielleicht lag es an meinem Prompt. Neuer Ansatz: „Mach dir einen detaillierten Plan, wie du meine zeitraubende LinkedIn-Arbeit übernehmen würdest." Ich bin ins Bett gegangen.
Der Masterplan am nächsten Morgen war tatsächlich nicht schlecht: Strategie, Outreach-System per Browser, Taskliste. Nur: Alles davon hätte mir auch ChatGPT in 10 Minuten geliefert. Nichts davon war spezifisch für einen autonomen Agenten, der selbst handelt.
Kosten: ca. 8 Stunden, 40 EUR weg.
Der Praxistest: „Jetzt mach mal Feuerwerk"
„Setze den Plan um!" – der Bot legt los. Was folgt, sind unzählige Telegram-Nachrichten, in denen der Agent meine Hilfe braucht. Ich wieder an den Rechner: Buttons klicken, Dinge installieren, Log-ins eingeben, Fehler bestätigen.
Autonom? Nicht wirklich. Das Wochenende verging mit hin und her, immer mehr sensiblen Daten, die ich teilen musste, und sehr mageren Ergebnissen.
Die Bilanz
Ein Wochenende Lebenszeit. 100 EUR API-Token. Eine LinkedIn-Strategie (hätte ChatGPT auch gekonnt). 10 schlechte Postings. Gelbe Karte von LinkedIn wegen Botaktivitäten.
Das ist keine theoretische Kritik. Das sind die konkreten Ergebnisse eines fairen, ernsthaften Tests.
Was OpenClaw wirklich ist – und für wen es sich lohnt
OpenClaw ist ein spannendes Open-Source-Projekt. Wer verfolgen will, wohin sich KI-Agenten entwickeln, findet hier eine interessante Spielwiese. Die Community ist aktiv, die Idee ist richtig.
Für 99 % der Nutzer ist es aber genau das: ein Zuschauersport mit Popcorn, kein Produktivwerkzeug. OpenClaw kann im Kern nichts substanziell besser als Claude Code oder andere etablierte Tools – und das bei deutlich höherem Aufwand, höheren Kosten und erheblichen Sicherheitsrisiken durch die breiten Zugriffsrechte.
Meine Empfehlung: Genießt die Entwicklung, beobachtet den Trend. Aber investiert eure Zeit in Tools, die heute schon zuverlässig funktionieren.
FAQ
Was ist OpenClaw und was verspricht das Tool?
OpenClaw (auch ClawBot genannt) ist ein Open-Source-KI-Agenten-Framework, das verspricht, autonome Aufgaben wie Browserbedienung, Recherche und Content-Erstellung selbstständig zu übernehmen. Die Versprechen reichen von automatischer LinkedIn-Arbeit bis hin zum selbstständigen Geldverdienen – der Selbstversuch zeigt jedoch, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen.
Warum ist der OpenClaw Selbstversuch gescheitert?
Der OpenClaw Selbstversuch scheiterte nicht an einem Bedienungsfehler, sondern an strukturellen Grenzen: Der Agent braucht ständige menschliche Hilfe bei Logins, Fehlern und Entscheidungen, ist teuer in der Token-Nutzung und liefert Ergebnisse, die etablierte Tools wie ChatGPT schneller und günstiger erreichen. Autonomie ist mehr Versprechen als Realität.
Wie viel kostet der Einsatz von OpenClaw wirklich?
Im Selbstversuch kostete OpenClaw über ein Wochenende gut 100 EUR in API-Token – plus mehrere Stunden Einrichtungszeit und laufende manuelle Eingriffe. Wer Claude Opus oder vergleichbare Modelle als Backend nutzt, zahlt pro Aufgabe deutlich mehr als bei direkter Nutzung der API ohne Agenten-Overhead.
Welche Sicherheitsrisiken hat OpenClaw?
OpenClaw benötigt weitreichende Zugriffsrechte: Browser-Kontrolle, Anmeldedaten, Telegram-Zugang. Im Selbstversuch mussten im Verlauf des Wochenendes immer mehr sensible Daten geteilt werden. Für produktiven Einsatz mit echten Accounts und Geschäftsdaten ist das Risikoprofil deutlich höher als bei kontrollierten API-Integrationen.
Wann lohnt sich OpenClaw – und wann nicht?
OpenClaw lohnt sich für Entwickler und Early Adopter, die Open-Source-KI-Agenten verstehen und mitgestalten wollen. Für Unternehmen oder Einzelpersonen, die heute zuverlässige KI-Automatisierung suchen, lohnt es sich nicht: zu teuer, zu fehleranfällig, zu betreuungsintensiv. Hier sind spezialisierte Tools wie Claude Code die bessere Wahl.